Das Zentrale Bergmassiv
Madeira ist im Grunde ein massiver Schildvulkan, der vom Grund des Atlantiks aufsteigt. Während die Küstenregionen üppig und subtropisch sind, ist das Inselinnere eine karge, dramatische Landschaft aus zerklüfteten Basaltkämmen, tiefen Schluchten und Hochgebirgsgipfeln, die die Wolkendecke durchbrechen.
Wandern im Zentralmassiv unterscheidet sich grundlegend vom Spaziergang auf den sanften Levadas. Es erfordert Schwindelfreiheit, geeignete Bergausrüstung und Respekt vor den schnell wechselnden Wetterbedingungen. Dieser Leitfaden behandelt die drei wichtigsten Gipfel, die für Wanderer zugänglich sind.
1. Pico Ruivo (1.862 m)
Der höchste Punkt der Insel, Pico Ruivo, ist nur zu Fuß erreichbar. Der Gipfel belohnt mit einem 360-Grad-Panorama der gesamten Insel - an klaren Tagen sieht man von Ponta de São Lourenço im Osten bis Paul da Serra im Westen.
Aufstieg zum Pico Ruivo:
- Der schwere Weg (PR1): Start vom Pico do Areeiro. Eine fordernde, spektakuläre 7-km-Tour (Einweg) über die verbindenden Kämme.
- Der leichte Weg (PR1.2): Start von Achada do Teixeira in Santana. Ein gut ausgebauter 2,8-km-Weg mit moderater Steigung. Ideal für Familien und Gelegenheitswanderer.
- Der steile Weg (PR1.1): Start von Ilha. Ein anspruchsvoller 8-km-Anstieg mit über 1.300 Höhenmetern aus den nördlichen Tälern.
2. Pico do Areeiro (1.818 m)
Der dritthöchste Gipfel der Insel (nach dem unzugänglichen Pico das Torres) ist einzigartig, weil er mit dem Auto erreichbar ist. Damit ist er der meistbesuchte Gipfel der Insel, besonders bei Sonnenaufgang.
Der Gipfel bietet eine Radarkuppel, ein Café, einen großen Parkplatz und mehrere Aussichtsplattformen. Während der unmittelbare Gipfelbereich stark erschlossen und oft überfüllt ist, dient er als spektakulärer Ausgangspunkt für die PR1-Tour.
Das Phänomen Sonnenaufgang
Hunderte Menschen fahren jeden Morgen zum Pico do Areeiro, um den Sonnenaufgang über dem Wolkenmeer zu erleben. Wenn Sie das planen, kommen Sie mindestens 45 Minuten vor Sonnenaufgang, um einen Parkplatz zu sichern. Es wird eiskalt sein (im Winter oft um 0°C) und extrem windig. Bringen Sie eine dicke Jacke, Mütze und Handschuhe mit.
3. Pico Grande (1.654 m)
Oft zugunsten von Ruivo und Areeiro übersehen, ist Pico Grande der „Wanderer-Gipfel". Er liegt isoliert in der Mitte der Insel und ragt dramatisch aus dem Curral das Freiras (Nonnental). Der Gipfel verlangt ein kurzes, spaßiges Kraxeln auf einem mächtigen Basaltblock mithilfe eines Drahtseils.
Da er zentral liegt und vom Hauptkamm getrennt ist, sind die Blicke auf die anderen Gipfel vom Pico Grande wohl die besten der Insel.
Aufstieg zum Pico Grande:
- Von Boca da Corrida: Eine traumhafte, relativ flache Traverse entlang des Kamms vor dem steilen Endanstieg. Ca. 14 km hin und zurück.
- Von Encumeada: Ein längerer Anstieg durch die dramatischen zentralen Täler, bevor er in den Aufstieg übergeht.
- Von Curral das Freiras: Ein zermürbender vertikaler Aufstieg vom Talboden aus.
Bergsicherheit & Vorbereitung
Das Zentralmassiv sollte nicht unterschätzt werden. Such- und Rettungseinsätze werden häufig für unvorbereitet aufgebrochene Wanderer gestartet.
Orientierung
Die Haupt-PR-Wege sind gut markiert, aber bei dichtem Nebel kann die Sicht auf 5 Meter sinken. Bleiben Sie immer auf dem Weg und versuchen Sie keine Abkürzungen über Geröllhänge.
Steinschlaggefahr
Das Vulkangestein ist brüchig und erodiert ständig. Verweilen Sie nie direkt unter steilen Klippen und beachten Sie aktuelle Steinschlagwarnungen.
Webcams sind Ihr bester Freund: Das Wetter an der Küste gibt keinen Hinweis auf das Wetter in den Bergen. Bevor Sie hochfahren, prüfen Sie immer die NetMadeira-Webcams für Pico do Areeiro. Zeigt die Kamera eine graue Wand, werden Sie nichts außer Nebel sehen.

